Gut genug?!

Ich und „diese Achtsamkeit“ nähern uns nur langsam aneinander an.

Ich bin unglaublich dankbar für das Leben, das ich führe. Ich denke ich habe Vieles richtig gemacht und durch dieses Projekt finde ich in meinem Leben auch wieder immer mehr zu mir selbst. Aber es gibt nun mal Situationen, in denen ich nicht bei mir, sondern neidisch oder unsicher bin.
Ich habe das Gefühl, dass ich sehr häufig alles und jeden (mit Vorliebe mich selbst) bewerte. Ich vergleiche mich mit Menschen in meinem Umfeld, meine Erfolge und mein Leben im Allgemeinen. Und es macht mich einfach nur krank. Ich kann mich und mein Leben dadurch überhaupt nicht genießen, denke darüber nach, wie ich mich verändern und/oder verbessern kann oder soll.

Versteht mich nicht falsch, natürlich ist es wichtig zu wachsen und das beste ICH für sich herauszuholen, aber der Vergleich mit anderen wird mich nicht zu diesem Ziel führen.

Für die meisten dieser Situationen habe ich schon ganz gute Gegenstrategien entwickelt, aber diese Momente des „Wertens“ und des Neids und der Unsicherheit zehren sehr an meinen Kräften.

Ich möchte euch diese kleinen Energieräuber näher vorstellen, damit ihr (und damit auch ich selbst) meine Gedankenwelt besser versteht.

Unsicherheit

Ich glaube jeder Mensch, der Kinder hat, kennt das Gefühl der Unsicherheit. Erziehe ich meine Kinder richtig? Bin ich eine gute Mama? Ist es meine Schuld, dass mein Kind manchmal so unzufrieden und wütend ist?
Gerade im Bereich des Familienlebens und der Kindererziehung ist es nicht ratsam sich mit anderen zu vergleichen. Keine Familie gleicht der anderen und Erziehungsmethoden, die bei anderen funktionieren, müssen nicht unbedingt auch bei uns zum Erfolg führen.

Trotzdem ertappe ich mich sehr häufig dabei, dass ich genau das mache. Dann habe ich ein schlechtes Gewissen, weil meine Kinder schon sehr früh fremdbetreut wurden, weil ich wieder arbeiten gegangen bin. Habe ein schlechtes Gewissen, weil ich bedingt durch meine Ausbildung abends öfter mal nicht da bin. Lese Erziehungsratgeber und versuche im Internet Bestätigung für unsere Ansätze zu finden.

Und dann ist da noch der Job…

Jeder Mensch hat seine eigene Art mit Stress und Belastung umzugehen und ich habe hier für mich eigentlich einen sehr guten Weg gefunden – ich sage mir, dass jede (Stress-) Situation auch wieder ein Ende hat und dass ich das nicht an mich heranlasse. Eigentlich ein guter Plan und oft funktioniert es sogar ganz gut. Nur irgendwann kommt dann wieder eine Situation, wo ich von außen, direkt oder indirekt, damit konfrontiert werde, dass ich eigentlich viel gestresster sein sollte. Und dann beginnt der kleine Hamster in meinem Kopf wie verrückt in seinem Rad zu laufen.

Dann schießen mir Gedanken wie „Bringe ich die Leistung, die von mir erwartet wird?“, „Sollte ich nicht vielleicht doch früher ins Büro kommen und später nach Hause gehen?“, „Wie kann ich in der Arbeit und Zuhause 100% geben?“ durch den Kopf. Ich messe mich an meinem Umfeld und vergesse dann in diesen Momenten, dass die Ausgangssituationen einfach nicht dieselben sind.

Ich habe kleine Kinder, die Betreuung brauchen und die für mich immer die höchste Priorität haben werden. Ich kann und möchte nicht früher zu arbeiten beginnen oder noch länger bleiben – ich möchte meine Kinder aufwachsen sehen.

Der Irrglaube, dass eine gute Leistung im Job nur durch einen hohen Stresslevel, Überstunden und langanhaltende Belastung definiert werden kann, hält sich leider hartnäckig. ☹
Ich bin stolz, dass ich dieses Denken hinter mir gelassen habe. Wenn es notwendig ist punktuell mehr zu arbeiten um gewisse Ergebnisse zu erzielen, bin ich mit Feuer und Flamme dabei, aber nicht ständig.

Ich denke alle arbeitenden Mütter kennen diese Zerrissenheit zwischen Job und Familie – und damit auch die Unsicherheit, ob man es wirklich richtig macht. Vor allem, wenn sich das eigene Umfeld auch noch regelmäßig mehr oder weniger kritisch zu diesem Thema äußert. 😉

Diesem Hamsterrad zu entkommen ist nicht leicht, aber ich versuche es beständig und fühle dann unendliche Dankbarkeit meinem Mann gegenüber, der schon seit einiger Zeit die Kinderbetreuung am Nachmittag übernommen hat und mir damit sehr viel Druck in diesem Spagat zwischen Familie und Job abnimmt. Es gibt wahrscheinlich keine perfekte Konstellation, kein Modell in dem die Bedürfnisse der Kinder und der Eltern zu 100% abgedeckt werden, aber ich denke wir sind auf einem guten Weg. 😊

Neid

Oh ja – Neid kenne ich sehr gut…

Zufriedenheit ist ein Gut, das jeder für sich selbst finden und bewahren muss, auch wenn dieses Gefühl der Zufriedenheit sehr oft auf eine harte Probe gestellt wird.
Es gibt unzählige Situationen, in denen ich mich beim „neidisch sein“ ertappe. Aber es gibt dann auch wieder Momente, in denen ich mehr als zufrieden bin, mit dem was ich habe und ich schäme mich für meinen Neid.

Neid nährt sich aus Vergleichen:

Ist das neu renovierte Haus von lieben Verwandten nicht so viel schöner als unser eigenes? Haben meine Familienmitglieder oder Freunde in ihrem Leben nicht schon viel mehr erreicht als ich selbst?
Wäre es nicht viel schöner wochenlange Reisen in unbekannte Länder zu unternehmen, als für ein Wochenende nach Lignano zu fahren?

Alle diese Fragen liegen mir im Magen und machen mich unglücklich, bis ich mich wieder auf mich besinne und mein Gedankenkarussell die Richtung ändert:

Ja, das neu renovierte Haus ist toll und ich freue mich für dessen Bewohner, aber unser Haus ist eben unser Haus – genauso wie es zu uns passt, unser Zuhause!!

Ich bin unglaublich stolz auf die Erfolge meiner Familienmitglieder, es ist sehr bewundernswert was sie geschafft haben, aber auch ich habe viel erreicht in meinem Leben. Ich habe meine eigene tolle Familie, einen guten Job, ein wunderbares Zuhause und Zeit, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir wichtig sind. Wahrscheinlich werde ich nie im Rampenlicht stehen, aber es ist gut so wie es ist.

Reisen sind etwas Wunderbares, neue Menschen und Kulturen kennenlernen und die unterschiedlichsten Erfahrungen machen. Dafür muss man aber nicht um die halbe Welt fliegen und da wir uns dafür entschieden haben diese Welt mit unseren Kindern zu bereichern, stehen Familienurlaube klarerweise gerade im Vordergrund. Und diese Urlaube sind toll, endlich mal Zeit mit der Familie verbringen, ohne Stress und Termine. Und wenn die Kinder dann größer sind… 😉

Ich bewundere Menschen sehr, die genau um ihr wahres Lebensziel wissen. Soweit bin ich noch nicht, aber ich bin auf einem guten Weg. Es ist ein Veränderungsprozess, der nicht von jetzt auf gleich geht, aber ich arbeite mit viel Herzblut daran. Und bis dahin kann ich ja auch damit zufrieden sein wie es im Moment gerade ist. Mit allen Höhen und Tiefen, Erfolgen und Rückschlägen – denn ich habe nur ein Leben und ich möchte es nicht damit vergeuden darauf zu warten bis es endlich so perfekt ist, wie ich mir einbilde, dass es sein muss.

Es ist gut so wie es ist.

Ich bin gut so wie ich bin.

Gut genug!!

2 Comments

  1. Kathrin P

    Du sprichst mir von der Seele… ich versuch mich dann oft auf den Boden zurück zu holen und dankbar zu sein… dankbar, überhaupt die Möglichkeit zu haben, den Spagat zwischen Arbeit und Familie leisten zu können… tja und das mit dem Vergleichen… Wer ist schon perfekt?! 😉
    Großes (neidfreies) Lob für den tollen Blog!

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