„Hör doch endlich auf mich“…

We must all face the choice between what is right and what is easy

(Albus Dumbledore)

Mein Plädoyer für mehr Hausverstand

Ja, manchmal ist das Leben ungemütlich und sehr oft muss man sich mit schwierigen Entscheidungen auseinandersetzen. Das ist unangenehm und anstrengend und am liebsten möchte man alles so schnell wie möglich hinter sich bringen. Aber der leichte Weg ist nicht immer der richtige…

Mein heutiges Zitat von Albus Dumbledore lässt sich auf viele unserer Lebensbereiche anwenden, auf meinem Weg zu mehr Achtsamkeit habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt.

Wie schaffe ich es, das Richtige zu tun? Woher weiß ich überhaupt, was das Richtige ist? Und wie schaffe ich es durchzuhalten und nicht auf den leichten Weg abzubiegen?

Bei der Beantwortung dieser in gewisser Weise existenziellen Fragen habe ich einen Verbündeten (wieder-) gefunden. Meinen Hausverstand.

Diese arme Kreatur wurde in den letzten Jahren medial ziemlich überstrapaziert und fristet dennoch bei den meisten Menschen ein ziemlich trostloses Dasein. Es ist aber auch wirklich schwierig, sich bei der ständigen Flut an Informationen und Reizen, der wir ständig ausgesetzt sind, auf das Wesentliche zu besinnen. Und das Wesentliche ist in diesem Fall unser Hausverstand. Der Teil von uns, der sich nicht beeinflussen lässt und immer unser Wohlergehen im Sinn hat.

Wie ich versuche das Verhältnis zu meinem Hausverstand, der sich – nicht ganz unberechtigt – manchmal sehr einsam fühlte wieder auf Vordermann zu bringen, möchte ich euch hier mit ein paar Beispielen und Anekdoten erzählen.


Erziehungsratgeber versus Hausverstand

Schon am Anfang meiner Schwangerschaft habe ich mich damit auseinandersetzen müssen, wie ich meine Kinder erziehen werde. Eine Freundin, damals noch kinderlos, hat mich gefragt, welche Erziehungsmethode ich denn anwenden werde. Ich war damals ziemlich perplex, denn darüber hatte ich mir bis dahin noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Geantwortet habe ich ihr: „mit Hausverstand“ und das haben mein Mann und ich auch seitdem versucht, so gut wie möglich umzusetzen.

Das ist allerdings alles andere als leicht, denn spätestens wenn man dann mit anderen Eltern in einer „Erziehungs-Petrischale“ wie zum Beispiel dem Spielplatz zusammen kommt, kommt früher oder später auch dieses Thema auf das Tableau.

Das beginnt schon im Babyalter, wenn sich Eltern darüber unterhalten, wie gut und vor allem wie lange ihre Sprösslinge schon schlafen. Jeder hat ein anderes Buch gelesen und Methoden angewandt und natürlich ist jeder von seiner Methode völlig überzeugt. Es war nicht einfach sich diesem Thema zu entziehen, denn auch man selbst möchte endlich mal wieder richtig schlafen und macht sich Gedanken, ob man nicht doch etwas falsch macht, weil die eigenen Nachkommen die Nacht mehrmals die Woche zum Tag machen. Viele Tränen, viele Bücher und Internetartikel und noch mehr schlaflose Nächte später haben wir dann beschlossen es einfach so sein zu lassen, wie es nun mal ist. Jedes Kind ist eben anders und irgendwann hat jedes Kind noch schlafen gelernt.

Wenn die Kinder dann heranwachsen stellt sich früher oder später die Frage nach der Betreuung, wenn Mama wieder arbeiten geht. Die Informationsflut in diesem Bereich ist überwältigend, zu diesem Thema hat wirklich JEDER etwas zu sagen. Man selbst steht vor Entscheidungen wie „wann und wie lange gehe ich wieder arbeiten?“, „Kinderkrippe oder Tagesmutter?“ und nagenden Selbstzweifeln wie „Schade ich meinen Kindern mit der Fremdbetreuung?“, „Bin ich egoistisch, wenn ich wieder arbeiten gehen will?“ oder „Wie werden sich die Kinder nur entwickeln, wenn sie so früh von mir getrennt sind?“. Im Endeffekt habe ich mich bewusst dafür entschieden wieder arbeiten zu gehen, als die Kinder 18 Monate alt waren. Sie waren bei einer sehr lieben Tagesmutter untergebracht und haben sich toll entwickelt. Wir haben ein sehr inniges Verhältnis und ich kann nicht erkennen, dass ich ihnen mit dieser Fremdbetreuung geschadet hätte.

Das ist natürlich eine sehr persönliche Entscheidung, die jede Familie im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten selbst treffen muss – in meinem Fall hat mir mein Hausverstand gesagt, dass nur eine glückliche Mama eine gute Mama sein kann und „Vollzeit Mama“ hätte mich auf Dauer nicht glücklich gemacht.

Ich könnte noch seitenlang über weitere Situationen berichten, in denen mir mein Hausverstand den richtigen Weg vorgegeben hat, aber das würde hier wohl den Rahmen sprengen 🙂


Werbung versus Hausverstand

Nichts stellt unseren Hausverstand vor so große Herausforderungen wie Werbung. Nicht nur, dass Werbung überall und jederzeit auf uns einprasselt – leider verstehen die meisten Marketingmanager tatsächlich etwas von ihrem Job, weshalb Werbung auch so effektiv ist.

Sich davon abzukapseln ist fast unmöglich – allerdings kann man lernen sich wieder auf sich selbst zu besinnen und dadurch beginnen die Marketingbotschaften kritisch zu hinterfragen.

Werbung im TV sehe ich heute fast gar nicht mehr (als Kind allerdings konnte ich fast jeden Werbespot mitsprechen) und bei Werbung in Magazinen oder Postwurfsendungen habe ich folgende Gewohnheit entwickelt: Ich sehe mir die Werbung an und wenn mir etwas gefällt, dann lege ich sie kurz zur Seite. Nachdem alles von mir gesichtet wurde nehme ich die zurück behaltenen Werbungen noch einmal zur Hand und stelle mir folgende Fragen:

Brauche ich es wirklich?

Kann ich es mir überhaupt leisten?

Habe ich nicht sowieso schon etwas Vergleichbares?

Und dann stellt mein Mann mir dieselben Fragen noch einmal – nur zur Sicherheit J

Und meistens ist es dann wieder vorbei mit meinem Konsumwunsch und alle Werbungen landen beim Altpapier. Natürlich kaufe ich ein, manchmal auch Unnötiges, aber Impulskäufe, die ich später bereue, kommen so gut wie gar nicht mehr vor. Danke Hausverstand!


Werbung für Essen und Trinken versus Hausverstand

Diesem speziellen Bereich der Werbung möchte ich einen eigenen Absatz widmen, weil im Moment nichts meine Gelassenheit mehr gefährdet als Werbung für Essen und Trinken.

„Hör doch endlich auf mich“ wimmert mein Hausverstand meinem ICH mit Anfang 20 zu und wird ignoriert. Als ich begonnen habe zu studieren konnte ich nichts kochen. Ich habe mich hauptsächlich von Kartoffelpüree aus der Packung und Haselnusscreme ernährt. Auch Chips, Softdrinks und Fast Food standen damals ganz oben auf meinem Ernährungsplan.

Mit der Zeit bin ich aber auch aus dieser Phase rausgewachsen und heute, vor allem dank meiner Kinder und den Büchern von Jamie Oliver, ist mein Hausverstand mein bester Freund und Verbündeter beim Thema „Ernährung“.

Werbung für Essen und Trinken irritiert mich nicht nur, sie macht mich auch traurig. Denn mir scheint, bei vielen Menschen verkümmert der Hausverstand bei diesem Thema immer mehr. Wie leicht lässt man sich beeinflussen durch die Werbebotschaften, die uns weismachen, dass dieses „Fruchtjoghurt-Gemisch“ die Entwicklung unserer Kinder fördert und dass man sich durch jenes „(Halb-) Fertigprodukt“, dessen Inhaltsliste über die gesamte Packung geht, ausgewogen ernährt.

Was mich hier am meisten irritiert ist meine Annahme, dass die meisten Menschen ja eigentlich wissen, was gut für sie ist und was nicht. Aber hier eben den leichten Weg gehen und nicht den richtigen.

Ich habe ja auch schon im Rahmen meiner Rezepte darüber geschrieben, dass wir versuchen unseren Kindern einen gesunden Umgang mit Essen beizubringen. Gesund heißt für mich ausgewogen und ohne den Verzicht auf Genuss. In unserer Familie ist es normal, dass wir Süßigkeiten essen, wir essen auch Fleisch und mein Mann und ich trinken Alkohol, aber es gibt keine sogenannten Convenience-Produkte, keine Produkte, die speziell für Kinder beworben werden (auch hier natürlich mit Ausnahmen) und sofern es sich zeitlich ausgeht wird bei uns frisch gekocht.

Wir ignorieren die Werbung oder amüsieren uns darüber und kaufen echte Lebensmittel ein, die wir dann selbst achtsam und mit großer Freude verarbeiten.

Mein Hausverstand schnurrt und freut sich und mein Körper bekommt alles, was er braucht.


Zeitschriften und Instagram versus Hausverstand

Früher waren es die Zeitschriften und heute ist es Instagram, die uns zeigen, wie wir auszusehen und was wir anzuziehen haben.

Unglaublich wie viele wunderschöne, schlanke und trainierte Menschen es gibt – warum sehe ich nicht so aus? Inmitten dieser Selbstzweifel (die wohl jede Frau kennt) schaltet sich mein Hausverstand ein und klopft mir auf die Schulter.

„Du bist total okay, so wie du bist“ sagt er mir und verrät mir, dass die meisten dieser Fotos nicht echt sind und uns nur eine Wirklichkeit vorgaukeln, die es eigentlich gar nicht gibt. Denn in Wirklichkeit sind die meisten Frauen so wie ich, eben einfach richtig.

Dank meinem Hausverstand meide ich Hochglanzzeitschriften und Instagram Feeds, die sich nicht mit meinen Werten vereinbaren lassen und ich habe nie das Gefühl verspürt etwas zu verpassen.

Ich habe noch meine Probleme mit der Tatsache, dass ich genau richtig bin, aber ich arbeite an meiner Selbstwahrnehmung und mache große Fortschritte. Heuer im Urlaub in Italien habe ich das erste Mal nicht den ganzen Tag den Bauch eingezogen – ihr glaubt gar nicht wie angenehm und entspannend das war 🙂


Mein Hausverstand flüstert mir zu:

„Richtig muss nicht immer schwierig sein und leicht nicht immer falsch. Es geht um die Balance!“

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