da draußen wirst du scheitern

Da draußen wirst du scheitern – sprach der Vater zum Sohn. Genau wie ich. Ich geb dir Sicherheit – nur um dich zu beschützen, ist die Mauer so hoch und das Tor immer zugesperrt.

Das Lied zu dem diese Zeile gehört heißt „Gold von den Sternen“ aus dem Musical „Mozart“ und handelt von einem König, der sich und seinen Sohn in seinem Schloss einsperrt, weil er von der Welt unglaublich enttäuscht ist. Doch der Prinz möchte fort und sein Glück wo anders suchen – dort, wo das Gold von den Sternen fällt.

Und auch wenn ich niemals hinter hohen Mauern eingesperrt war und immer die Möglichkeit hatte das Gold von den Sternen zu suchen, habe ich es nie gemacht. Ich habe mir meinen eigenen Käfig gebaut. Ein schöner Käfig, gemütlich und bequem. Mein Käfig oder meine Komfortzone war lange Zeit mein Zuhause. Und dann?

Und dann vor mittlerweile 6 Jahren wurde ich ziemlich aus meiner Komfortzone gerissen, denn da entschlossen sich zwei Seelen unsere Familie zu bereichern. Kinder zu bekommen ist eine der großartigsten Veränderungen im Leben, denn plötzlich ist man dazu gezwungen vieles anders zu denken. Prioritäten verschieben sich und man denkt plötzlich über Themen nach, die in der „Vor-Eltern-Zeit“ nicht relevant waren. Der Käfig wird plötzlich spröde und bekommt Risse.

Doch dann kam der Zeitpunkt des beruflichen Wiedereinstiegs, schließlich wollte ich nie „nur“ Mama sein. Und plötzlich war der Käfig wieder da. Selbes Unternehmen, ähnliches Aufgabengebiet, zwar ein anderer Arbeitsplatz, aber doch noch mitten in der Komfortzone. „Es passt schon so“ habe ich mir gedacht und die Zweifel über die Sinnhaftigkeit meiner Tätigkeiten gleich wieder im Keim erstickt. „Es ist doch bequem so“ sagte ich mir damals. Nicht zu viel zu tun. Und das, was ich mache, kann ich. Nichts Neues lernen, keine Angst haben zu versagen. Komfortzone…

Und dann kommt der Moment, wo man darüber nachdenkt was die eigenen Kinder einmal machen werden und die große Hoffnung, dass sie Erfüllung darin finden, wofür auch immer sie sich entscheiden werden. Und die Frage nach der eigenen Erfüllung breitet sich aus. Das Gefühl, dass da eigentlich mehr sein könnte. Nicht Selbstverwirklichung, aber etwas Sinnvolleres tun – für mich. Raus aus der Komfortzone?

Hmm, vielleicht ein kleines bisschen. Erstmal das Unternehmen wechseln und weiter in den gewohnten Arbeitsabläufen bleiben. Nicht zu viel Veränderung bitte. Und dann?

Und dann kam diese Achtsamkeit um die Ecke und ich fand ein Thema, mit dem ich mich zum ersten Mal in meinem Leben völlig identifizieren konnte. Plötzlich erkannte ich neue Wege, hatte wieder das Bedürfnis zu lernen und zu entdecken und bin über Gedanken gestolpert, die es immer schwieriger für mich gemacht haben, mich in meinem neuen Vollzeit-Job völlig wohl zu fühlen. Etwas gut zu machen, aber nicht davon begeistert zu sein, war mir plötzlich zu wenig. Also habe ich begonnen an den Stäben meines Käfigs zu sägen, langsam und bedächtig habe ich mich weiterentwickelt. Ich habe mich ausbilden lassen und darf jetzt anderen Menschen helfen, Entspannung und Achtsamkeit in ihr Leben zu integrieren. Ich habe diesen kleinen, feinen Blog gestartet und teile mit euch nun meine Gedanken. Aber mein Käfig war wirklich massiv. Nur von innen war er nicht klein zu kriegen.

Mit „Da draußen würdest du sowieso scheitern“ habe ich mich wieder in meinen Käfig zurückgezogen, doch dann kam die dringend benötigte Hilfe von außen. Ein Angebot. Die Möglichkeit den Käfig und die Komfortzone ein für alle mal zu verlassen. Etwas anderes zu machen, wieder zu lernen, mich beweisen. Die Versuchung war groß, doch zumindest gleich groß war die Angst. „Was, wenn du das nicht schaffst?“, „Du könntest dich völlig blamieren“, „Dafür bist du nicht gut genug“, „Du hast doch keine Ahnung von diesen Dingen“, „Willst du wirklich die Sicherheit des Käfigs verlassen?“… Du siehst das Dilemma?

Heute bin ich stolz darauf den Käfig letztendlich doch gesprengt zu haben. Natürlich ist es außerhalb der Komfortzone nicht immer leicht. Selbstzweifel und Ungewissheit sind meine Wegbegleiter. Und das Gefühl mich beweisen zu müssen.

Ohne Käfig fühle ich mich aber endlich frei. Verletzlich, aber frei. Und glücklich. Ich bin mir sicher, dass ich mich richtig entschieden habe, denn nun weiß ich, dass ich mein Leben steuern kann und ich habe keine Angst mehr vor Veränderung. Heute kann ich meinen Kindern in die Augen schauen und ihnen aus vollem Herzen sagen: „Man muss auch mal etwas riskieren. Schreib die Geschichte deines Lebens selbst und wenn es doch nicht so läuft wie gedacht, dann hast du es zumindest versucht“.

Sein heißt werden, leben heißt lernen! Wenn du das Gold von den Sternen suchst, musst du allein hinaus in die Gefahr!

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